Alt werden ist nichts Feiglinge

 

Ein Besuch bei den Eltern und uns wird klar, dass Altwerden anstrengend ist. Da kommt schon mal der Gedanke auf: Hoffentlich werde ich nicht so.
Aber was ist so anstrengend am Altern? Die Antwort darauf ist so vielfältig wie die Protagonisten selbst. Eins ist klar, ohne die junge Generation können die Alten nicht alt werden, das ist bei uns Menschen ebenso. Dies ist sehr wichtig, denn dadurch sind wir Gesellschaftsfähig und wichtige Erkenntnisse werden von Generation zu Generation weitergeben. Schon der erwähnte Gedanke sagt aus, dass wir uns mit der Situation der Senioren auseinandersetzen und bereits jetzt darüber nachdenken, wie wird es sein, wenn ich selbst alt bin. Joachim Fuchsberger hat ein Buch darübergeschrieben: Altwerden ist nichts für Feiglinge.

Die Zeiten haben sich geändert

Unsere heutige Lebensweise trägt dazu bei, dass wir uns innerhalb der Familie verfremden und oftmals die Versorgung der Senioren ungleichmäßig in der Familie verteilt ist. Früher lebten mehrere Generationen unter einem Dach oder zumindest in der unmittelbaren Umgebung. So war für die Senioren immer jemand da. Das Freizeitangebot war nicht so vielfältig und somit waren die Menschen geselliger und hatten mehr Zeit füreinander. Mal spontan bei der Oma oder dem Opa hallo sagen oder etwas erledigen war selbstverständlicher. Es kamen mehr ungezwungene Soziale Kontakte zustande und die Senioren hatten mehrmals am Tag eine kurze Ablenkung. Heute steckt hinter jedem Besuch eine Planung und leider oft auch ein Zeitmanagent durch weitere Termine oder Dinge, die sonst noch zu erledigen sind. Da bleibt der Gedanke nicht aus: Eigentlich möchte ich für meine Eltern oder Großeltern öfter da sein, aber ich schaffe es zeitlich nicht und es kommt ein schlechtes Gewissen auf. Ist die Familie in alle Winde verstreut, dann macht es die Sache nicht einfacher.

Es klingt hart. Jeder Einzelne von uns legt die Prioritäten selbst fest und entscheidet über die Wichtigkeit zwischen Elternbesuch und sonstigen Aktivitäten. Fakt ist, wir können keine Zeit dazu kaufen und wir müssen uns entscheiden.

Was andere über uns denken

Die Meinung der Gesellschaft ist uns sehr wichtig, daher sollte das Familienbild nach außen möglichst makellos sein. Geschwätzt wird immer, insbesondere dann, wenn wir uns über soziale Medien Luft verschaffen.
Jede Familie hat ihren Hintergrund, so bleibt es auch nicht aus, dass das Verhältnis zwischen den Generationen etwas schwierig sein kann. Das schlägt richtig durch, wenn die Versorgung und Betreuung der Senioren von nur einer oder zwei Personen geschultert wird. In solchen Fällen hält sich Begeisterung in Grenzen und der Besuch wird eher zum Pflichttermin. Das angespannte Verhältnis ist für beide Seiten schwierig zu händeln.

Wenn Senioren ihren Kopf durchsetzen

Die Ansichten von Jung und Alt sind geprägt durch die Zeit, in der das aktive Leben stattgefunden hat oder stattfindet. Toleranz und Verständnis sind die Zauberworte, die zur Harmonie beitragen. Das ist aber nicht einfach umzusetzen. Eltern werden immer Eltern bleiben und tun sich schwer loszulassen, wenn es darum geht die Gedanken und Meinung der erwachsenen Kinder zuzulassen. In solchen Situationen müssen wir berücksichtigen, dass hierbei eventuell auch Angst durch Veränderungen eine Rolle spielt. Die ältere Generation stützt sich oft auf altbewährtes, also die Dinge die Sicherheit und Geborgenheit auslösen. Neuerungen sind schwer zu akzeptieren, da sie nicht in das Weltbild passen. Senioren leben meist in der Vergangenheit und haben sich irgendwann im Laufe des Lebens dazu entschlossen, dass alles so bleiben soll wie es ist. Eingefleischte Sparsamkeit und Bescheidenheit tragen dazu bei.

Wird die angebotene Hilfe Leistung nicht oder nur murrend angenommen, kann es Angehörige hin und wieder auf die Palme bringen und die ganze Sache in Fragestellen. Eine emotional schwierige Situation, denn nicht immer lassen sich die Probleme mit einem Lächeln entschärfen.

Eine Haushaltshilfe kann als dritte Person die Situationen möglicherweise etwas entspannen, wobei sie nicht als Mediator oder Vermittler auftritt. Optimalerweise ergreift sie keine Position und beschränkt sich auf das zuhören. Schon alleine das Erzählen verschafft den Kontrahenten Luft. Auf lange Sicht hilft nur aufeinander zu zugehen und manchmal Fünf gerade sein zu lassen.

Heute schon an morgen denken

Wir wissen es alle. Eines Tages müssen wir und trennen. Das ist wohl einer der schwierigsten Tage im Leben und alles, was danach kommt, lässt sich nicht mehr ändern oder besprechen. Bei jedem Konflikt den wir führen, müssen wir uns hinterfragen, ist es der Zwist wert und wie viel Platz möchte ich diesem, im Leben und danach einräumen?
Eine wichtige Entscheidung sollte jedoch rechtzeitig zu Lebzeiten zusammen mit den nächsten Angehörigen getroffen werden. In der Patientenverfügung legen sie fest, wie in einer gesundheitlich bedrohlichen Situation gehandelt werden soll, wenn sie selbst keine Entscheidung treffen können. Mit der Generalvollmacht, am besten über Tod hinaus regeln sie, wer ihre Interessen vertreten soll, wenn sie nicht mehr in der Lage dazu sind. Das ist eine der schwierigsten Entscheidungen im Leben und sollte daher gut durchdacht sein. Um das Ganze rechtsicher zu gestalten, empfehlen wir eine fachliche Beratung zusammen mit den ausgesuchten Angehörigen. Sprechen Sie zuvor mit ihren Angehörigen, ob sie auch dazu bereit sind, diese hohe Verantwortung zu tragen.

Zum Schluss ein letztes Wort

Zusammen durchs Leben gehen, bedeutet die Ängste und Schwächen des anderen auszugleichen und füreinander dazu sein. Wir alle werden uns im Laufe unseres Lebens verändern und unsere Sichtweisen und Meinungen der Lebenssituation anpassen müssen. Hinter Starrsinn und Widerwillen verbirgt sich oft Angst vor dem was noch kommt. Gesundheit nehmen Einfluss auf die Lebenssituation und löst Gefühle aus, die schwer zu erklären und verstehen sind. Nehmen Sie sich Zeit für ihre Eltern und Großeltern und tun Sie das, was Sie tun mit Liebe. Halten Sie sich vor Augen, dass alt werden ein Teil des Lebens ist und sich die Lebenslage niemand ausgesucht hat. Geben Sie in schwierigen Momenten nicht auf, bleiben Sie tapfer und stark dann wird alles Gut und nehmen Sie die stille Dankbarkeit an, die viel zu selten ausgesprochen wird.